Ein Tag mit tiefgreifender Bedeutung

Am 17. Januar 1935 wurde die Johannische Kirche verboten

Im Allgemeinen sind in einem gerade begonnenen Jahr unsere Blicke in die Zukunft gerichtet. Doch im Januar gibt es ein Datum, das die Blicke und Gedanken der Johannes-Christen zur Rückschau einlädt: der 17.1.1935, der Tag, an dem die Johannische Kirche vom NS-Regime verboten wurde. Man kann einer Betrachtung mit diesem Datum und diesem Geschehen nur gerecht werden, wenn man den geistigen Hintergrund dieser Auseinandersetzung einbezieht. In der Broschüre "Zeugnisse seines Wirkens 1" steht hierzu:

"Joseph Weißenberg hat geistige Zusammenhänge klargemacht, die wir nie hätten ahnen können. Es gibt geistige Gesetzmäßigkeiten, die unumstößlich sind. Dazu gehört, dass Gott uns manches durchleiden lässt, damit wir daraus lernen und unsere Seele gebessert wird. Zu diesen Gesetzmäßigkeiten gehört auch, dass die Sünde wider den heiligen Geist nicht vergeben wird, sondern abgetragen werden muss.

Prediger Walter Möhring (1902-1950), Berlin, berichtete dazu:

In einer Gemeinde waren Außenstehende, die durch Zufall mit einem unserer Werkzeuge in Berührung kamen und auf unsere Lehre und die Krankenheilungen aufmerksam gemacht worden waren. Die Menschen hatten einen Sohn im Jünglingsalter, der seit dem vollendeten ersten Lebensjahr erblindet war, und zwar so erblindet, dass die Ärzte ihn für unheilbar erklärten. Nun kam damals einer unserer Prediger in ihr Haus, und das Wunder geschah, dass dieser Sohn durch Handauflegung sehend wurde. Das führte natürlich dazu, dass die Eltern überglücklich waren und sich mit dieser Bewegung, die so etwas zustande bringt, näher beschäftigen wollten. Sie kamen zu den Gottesdiensten und wollten Mitglieder werden. Aber der Sohn, den sie aufforderten, mitzumachen, sagte: ,Nein. Warum? Es wäre ja vielleicht auch so wieder geworden. Ich habe keine Lust, fromm zu werden.‘ Aber er hatte kaum diese Gedanken beendet, da erlebte er, dass die Nacht ihn wieder umfing und er am Tage darauf erneut völlig erblindete. – Da wagten die Eltern das Letzte und fuhren zum Meister. Als er sie kommen sah, umriss er die Lage mit einem Wort und sagte: ,Was hier geschehen ist, ist Sünde wider den heiligen Geist.‘ Da fragte der junge Mensch: ,Was kann ich tun, dass es wieder besser wird?‘ Nun hatte er erlebt, dass Gottes Gnade nicht selbstverständlich ist. Da sagte ihm unser Meister die Worte: ,Es kann vielleicht noch einmal besser werden, wenn du sieben Jahre lang die Andachten treu und ohne Pause besuchst; dann vielleicht. Aber wer weiß, ob du es kannst.‘ – Der Meister hat ihn nicht gerichtet, aber am nächsten Tag (17.1.1935) war unsere Kirche verboten."

Rainer Gerhardt