Zum Licht werden

Advent will uns leuchten lassen

"Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir." Diese Worte des Propheten Jesaja werden in der Vorweihnachtszeit gern zitiert. In unseren Breiten werden nun die Tage kürzer, doch auch der Dunkelheit kann man – augenzwinkernd – etwas abgewinnen: Jetzt kann man auch kleine Lichter wahrnehmen, uns also. Joseph Weißenberg sprach vom "Funken reinsten Gottesgeistes", der in jeder Seele verborgen ist und uns zu Ebenbildern des Herrn machen kann, wenn wir diesen Geist erwecken.

Erwecken, also wach werden, aufmerksam sein, das sind an uns gerichtete Aufgaben in diesen Tagen und Wochen, die wir Advent nennen. Das Wort kommt vom lateinischen adventus = Ankunft. Und um nicht nur eine, sondern um die Ankunft geht es: um das Erscheinen unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Er, der sagen konnte: "Ich und der Vater sind eins", brachte uns das Evangelium, die frohe Botschaft, die von einem Gott kündet, der Liebe ist und in dessen Hause für uns viele Wohnungen frei sind.

Diese Geburt des Heilands ist nicht nur irdische Vergangenheit, sondern geistige Gegenwart: Immer wieder kommt der Heiland in dieser Zeit und klopft an unsere Herzenstür, wie es in einem alten Weihnachtslied heißt. Er tritt jedoch nicht mehr als Kind in der Krippe an uns heran, sondern als der Mitmensch, der gerade jetzt unsere Zeit, unsere Geduld, unsere Liebe und auch einmal unser Geld braucht. Dass wir das nicht verpassen, dafür gilt es aufmerksam und wach zu werden.

Alles, was wir an Gutem geben können, entspringt nicht uns selbst, sondern unserem Funken Gottesgeist. "Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichtes und der Finsternis", weiß der Jakobusbrief zu berichten. Diese Gabe soll nicht unnütz herumliegen oder in uns vergraben werden, sondern zum Leuchten, also zum Wirken kommen. Hierzu ist unser aktives Handeln gefragt, was der Prophet Jesaja mit der Aufforderung "Mache dich auf!" ausdrückt.

Diesen Worten der Heiligen Schrift können wir vertrauen, denn auch sie sind weder alt noch neu, sondern ewig und damit an unser Heute gerichtet. Wir wollen tagtäglich das Licht in uns wachsen lassen, indem wir uns den Begegnungen mit Menschen und Engeln öffnen und uns ihnen zuwenden. Wir werden dann durchlässiger für das Licht Gottes, das in uns schon ist, so dass es nach außen leuchten kann. Advent braucht Licht, die Welt erst recht. Wir dürfen zum Licht werden, wenn wir es wollen.

Rainer Gerhardt