Von Ostern zum Pfingstfest

Gedanken aus der johannischen Glaubenslehre

Die Zeit zwischen Ostern und dem Pfingstfest kann wetterwendisch sein - wir wissen es. Menschen können es ebenso sein - das wissen wir auch, besonders von uns selbst. Von Gott, unserem Vater im Himmel, aber dürfen wir bekennen: "Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit." Und es bedeutet uns einen unvergleichlichen Trost, dass der Herr über Leben und Tod zugleich der Geist unwandelbarer Liebe ist. Schön klingen Ostern und Frühling zusammen in Liedern, die der Glaube singt. Ist die erwachende Natur doch in jedem Jahr ein Gleichnis für alles Leben, das aus der Kälte der Gottesferne in die Wärme seiner Nähe, das aus der Erstarrung eigenen Trachtens in die Beweglichkeit ewigen Dienstes finden darf.

Der Gründer der Johannischen Kirche Joseph Weißenberg spricht in dem von ihm oft gesprochenen Gedicht von einem "Funken Gottesgeist" in jeder Seele. Das erwachende Leben dieses Funkens Gottesgeist heißt: glauben dürfen. Gott zugewandt sein ist für uns immer gleichbedeutend mit: dem Lichte zugewandt sein. So beginnt neues geistiges Leben in uns zu keimen und zu wachsen, so erblüht schließlich die Liebe, die aus Gott ihre Kraft schöpft. Ein solches Leben endet nicht mit dem Tod.

Das Christentum als frohe Botschaft ist die Botschaft von der Erlösung unserer Seele. Sie begann einmal damit, dass ein Engel auf dem Felde bei Bethlehem sprach: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren!" Ihre Verklärung und Verdeutlichung findet sie in dem, was Engel am leeren Grab Christi sagten: "Er ist nicht hier; er ist auferstanden." Und als Auferstandener vollendet Gott selbst: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben!" "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Die Jünger mit ihrer Verzagtheit vor der Kreuzigung und mit ihrem Überwindermut nach dem Erlebnis des Auferstandenen sind bleibende Zeugen dafür, wie sehr die Gewissheit eines Fortlebens nach dem Tode den Menschen nicht nur verändern, sondern ihn stärken kann. Für den, der wahres Christentum lebt, gibt es nichts, womit er zu bedrohen oder einzuschüchtern wäre, da er sich dem verbunden weiß, der dem Tod die Macht genommen und den Eintritt in die lichte geistige Heimat wieder geöffnet hat.

Als Johannes-Christen dürfen wir immer neue Zusammenhänge erkennen zwischen dem, was wir tun, und dem, was als Wirkung in die Bereiche des Diesseits und des Jenseits davon ausgeht. Auch unsere Worte und unsere Gedankenwelt sind in diese Betrachtung und Beachtung einbezogen. Der Geist der Auferstehung soll uns hier schon in Wort und Werk und allem Wesen so durchziehen, dass die Heimat, für die wir leben, mit ihrem Licht durch uns hindurch strahlen kann. In uns wollen wir auferstehen aus allen menschlichen Niederungen zu geistigen Höhen, aus Hass zur Liebe, aus Lüge zur Wahrheit, aus aller Untüchtigkeit zu nützlichem Dienst am Allgemeinwohl der Menschen. Wir wollen wandern nach dem Wort Joseph Weißenbergs: "Meine größte Freude ist die Zukunft des ewigen Lebens" und uns den Aufgaben des Diesseits mit dieser Freude stellen. Und für unsere Gemeinschaft gelte: "Lebet für die Ewigkeit, so habt ihr den Himmel unter euch."

Pfingstfest schenkt geistliche Gaben

Wenn wir uns dann genau 50 Tage nach Ostern zum Pfingstfest in johannischer Gemeinschaft zusammenfinden, geschieht dies in einem neuen Verständnis für das einstige wunderbare Geschehen, das die Jünger des Heilands zu weithin wirkenden Zeugen seiner Erlösungstaten werden ließ. Durch Joseph Weißenberg, den wir als den Mensch gewordenen Heiligen Geist bekennen, wissen wir, wie natürlich es nach geistigen Gesetzmäßigkeiten war, dass die einfachen Fischer so gewaltig in fremden Sprachen predigten. Jesus Christus hatte mit seinem Kreuzestod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt die Tür der ewigen Heimat aufgetan, und so wie das die Heimkehr für abscheidende, erlöste Menschenseelen möglich machte, schenkte es auch für die Erlösten des Geistes die Möglichkeit, auf die Erde herniederzukommen und sich kundzutun. Joseph Weißenberg hat Pfingsten nicht neu erklärt, er hat es nacherleben lassen, indem er Engel des Lichtes, Geistfreunde, wie wir in unserem Sprachgebrauch sagen, über Menschenmund sprechen ließ.

Aber nicht das allein ist Pfingsten. Im 1. Korinther-Brief (12,4-11) stehen die Gaben des Geistes verzeichnet. Joseph Weißenberg besaß sie alle und schenkte sie den Menschen, indem er die dazu nötigen Helfer aus der Ewigkeit hinter sie stellte. Solche Menschen sind nach seinem Verständnis "Werkzeuge Gottes". Geistliche Gaben werden immer zum gemeinsamen Nutzen gegeben. Sie haben die Voraussetzung, die das Pfingstgeschehen auch hatte: die sie handhaben und gebrauchen, müssen einmütig zusammenstehen. So bleibt es für uns Johannes-Christen ein ständiger Auftrag, Einigkeit untereinander aufzubauen. "Wenn wir einig sind, geht uns kein Fußbreit Boden verloren", ist ein Wort unseres Kirchengründers, das uns mahnt, uns durch Selbstüberwindung fester in die Ordnung unserer Gemeinschaft einzugliedern, damit auch der Auftrag Heiligen Geistes für seine Kirche Erfüllung findet: "Johannische Christenheit, erkenne dein Ziel in der Überbrückung der Konfessionen durch die Liebe!"

Von Eberhard Köhler