Vierzig Tage

Die Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt

Hinter uns liegt Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Vorangegangen war der Karfreitag – der Tag, an dem man ihn ans Kreuz schlug. Das gesamte Geschehen in dieser Zeit ist wieder ganz nahe in unser Bewusstsein gerückt worden. Man konnte die Stimmung jener Tage mitfühlen, die zwischen Trauer und Freude schwankte. Doch letzten Endes brach sich das erlösende "Er ist wahrhaftig auferstanden" Bahn.

Vor uns liegen Himmelfahrt und Pfingsten, vierzig und fünfzig Tage von Ostern entfernt. Ostern und Pfingsten sind mit dem Weihnachtsfest die bedeutendsten Feiertage des Christentums. Hier die Auferstehung Jesu, dort die Ausgießung des Heiligen Geistes, die dann in die Gründung der christlichen Kirche mündete.

Wenn wir nun in den Quellen nachforschen, die uns zur Verfügung stehen – die vier Evangelien, die in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt geschrieben wurden, so finden wir hier nur wenige Anhaltspunkte für diese Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. Das reiht sich ein in die gesamte Problematik der Chronik über das Leben des Heilands. Wenn wir einmal von den Voraussetzungen ausgehen, dass Jesus etwa 33 Jahre alt war, als er gekreuzigt wurde, und sein Wirken auf dieser Erde sich auf ein bis drei Jahre erstreckte, so wissen wir wenig über den größten Teil seines Lebens.

Nur bei Lukas finden wir einen Ansatzpunkt. Er, der die Geburt Jesu ja in ergreifender Weise geschildert hat: "Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids", geht auf ein Erlebnis ein, das Christus mit zwölf Jahren hatte. Jesus war mit seinen Eltern wie jedes Jahr nach Jerusalem zum Osterfest gegangen. Dort blieb er im Tempel, während seine Eltern zurückkehrten. Als sie ihn vermissten, zurückkamen und ihn im Tempel fanden, sagte er ihnen: "Wisset ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?"

In allen vier Evangelien finden wir dann die segensreiche Tätigkeit des Heilands aufgezeichnet, die mit seiner Taufe durch Johannes den Täufer ihren Anfang nahm. Dieser wehrt sich zuerst dagegen und sagt: ",Ich bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde und du kommst zu mir?‘ Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: ,Lass es jetzt also sein! also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.‘“ Nach dieser Taufe kamen die Worte aus dem Himmel: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." Wie ging es nun weiter zwischen Auferstehung und Himmelfahrt? Wie ein roter Faden zieht sich durch diese Zeit der Begriff des Unglaubens. Das begann mit Maria und Maria Magdalena, die als erste dem Auferstandenen begegneten. Als sie das den Jüngern berichteten, glaubten ihnen diese nicht. Genauso erging es den Emmaus- Jüngern, die Jesu begegnet waren. Erst als Jesus mitten unter seine Jünger trat, erkannten sie ihn. Einer von ihnen war nicht dabei und zweifelte immer noch – Thomas. Als er dazukam, sagte Jesus zu ihm: "Derweil du mich gesehen hast, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."

Eine ausführliche Schilderung der Begegnung Jesu mit seinen Jüngern finden wir im Johannes- Evangelium: Petrus und andere Jünger waren hinausgegangen, um zu fischen. In der Nacht fingen sie nichts. Am Morgen trat Jesus zu ihnen und sagte: "Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs"; sie taten es und fingen viele Fische. Sie hielten dann das Mahl mit Jesus. Dabei kam es zu dem Gespräch zwischen Jesus und Simon Petrus. Dieser hatte seinen Herrn vor der Kreuzigung dreimal verleugnet, so wie dieser es ihm vorausgesagt hatte. Jesus stellt ihm nun dreimal die Frage: "Hast du mich lieb?" Er zeigt dadurch Petrus, dass er ihm verziehen hat, und Petrus erfüllt dann in der Zukunft das, was ihm Jesus aufgetragen hat: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde."

Andere Ereignisse in diesen vierzig Tagen sind nicht aufgezeichnet. Wir können nur vermuten, dass Jesus bis zu seiner Himmelfahrt noch mehrmals mit seinen Jüngern zusammen war. Zum Schluss bestellt er sie auf den Berg bei Galiläa, um ihnen seine Abschiedsbotschaft zu verkünden: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Mit dieser Gewissheit in unserem Herzen können wir auf Himmelfahrt und Pfingsten zugehen.

(gr)