Theokratische Ordnung

"Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden."

Diese Worte aus dem Vaterunser sind die Zielsetzung der Ordnung der Johannischen Kirche. Ihre Grundlage ist unser Glaube, dass Gott der oberste Regent im Himmel und auf Erden ist; darum nennen wir sie theokratische Ordnung. Diese Ordnung soll einmal wieder - wie vor dem Sturz Luzifers (Offenbarung 12,7-9) - alles umfassen. Sie soll den Menschen in sich, das Miteinander der Menschen und das Zusammenwirken von Diesseits und Jenseits bestimmen.

Theokratische Ordnung ist nicht an eine bestimmte weltliche Ordnung gebunden. Bevor das Volk Israel von Gott einen irdischen König verlangte (1. Samuel 8), war seine weltliche Ordnung ein patriarchalisches Stammeswesen, seine geistige Ordnung aber theokratisch, sofern die Menschen nach Gottes Willen lebten, den er ihnen durch berufene Menschen - Richter und Propheten - kund tat. Auch in der frühen christlichen Kirche, die weltlich unter dem Recht des römischen Reichs lebte, unterstellten sich die Menschen geistig der Ordnung Gottes.

So kann theokratische Ordnung in verschiedenen Formen weltlicher Ordnung gelebt werden, wenn die Menschen Gott an erster Stelle gehorchen. Im Umgang mit anderen Menschen fordert sie von uns die Achtung der Religionsfreiheit. "Denn wie zu einer Stadt aus ihrer Umgebung verschiedene Wege führen, so hat auch Gott verschiedene Mittel und Wege zur Führung des Menschengeschlechts." Nach diesen Worten Joseph Weißenbergs hat kein Mensch das Recht, den Weg eines anderen Menschen zu Gott zu verurteilen.

Im einzelnen Menschen äußert sich theokratische Ordnung im Urvertrauen des Geschöpfes zu seinem Schöpfer, aufgrund dessen Gott sein Denken und Fühlen, Reden und Handeln regieren kann. Voraussetzung dafür ist die Suche nach Gottes Willen, das Vertrauen und die Bereitschaft, nach diesem Willen zu leben. Diese Bereitschaft wird oft errungen im Kampf gegen alles, was im Menschen der göttlichen Liebe widerstrebt. Eine Ausrichtung für den Einzelnen kann das Wort aus dem Johannes-Brief sein: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1. Johannes 4,16).

Im Miteinander der Gläubigen bedeutet theokratische Ordnung nicht die Durchsetzung eines menschlichen Willens, sondern die Erkenntnis von Gottes Willen und entsprechendes gemeinsames Handeln, das der Erlösung und dem Frieden dient.

Die Ordnung der Johannischen Kirche ist äußerlich an verschiedenen Ämtern und Verantwortungsbereichen erkennbar. Allerdings will sie nicht im Sinne einer weltlichen Hierarchie verstanden werden, sondern sie steht unter dem Wort Jesu Christi: "Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch. Sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht, - gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele" (Matthäus 20, 25-28).

Die Führung der Johannischen Kirche liegt in den Händen des Oberhauptes. Joseph Weißenberg war das erste Oberhaupt. Er setzte 1932 seine Tochter Frieda Müller (1911-2001) ein. Sie wiederum berief 1961 Josephine Müller, die die Kirche seit 2001 leitet.

Die weiteren Berufungen in kirchliche Ämter erfolgen durch das Oberhaupt, und wir glauben, dass alle in Amt und Dienst Berufenen von Gott die nötige geistige Hilfe und Führung bekommen, um die Verantwortung für das ihnen Anvertraute zu tragen. Es liegt an ihnen, zu brauchbaren Werkzeugen in Gottes Hand zu werden, indem sie in sich und bei allem, was ihnen begegnet, das suchen und fördern, was dem Frieden und der Erlösung dient. Wir verstehen eine Berufung als Auftrag Gottes, der nicht von menschlich erfassbarer Ausbildung oder Leistung eines Menschen abhängt.

Da die Ämter und Verantwortungen in der Kirche die verschiedensten Bereiche umfassen, gibt es kein "Oben und Unten" im weltlichen Sinn, sondern ein wechselseitiges Unterordnen - Geben und Nehmen. Jeder Einzelne strebt danach, seiner Verantwortung vor Gott gerecht zu werden, alle anderen versuchen, ihn mit Demut, Vertrauen und Offenheit nach bestem Wissen und Gewissen in seinen Aufgaben zu unterstützen. Gemeinsam dienen sie Gott und den Mitmenschen. Je größer die Einigkeit der Menschen und ihre Verbundenheit zur lichten geistigen Welt wird, desto tragfähiger wird ihre Gemeinschaft.

Gott tut uns seinen Willen kund in seinen Geboten, durch berufene Menschen und durch seine Stimme in uns, das Gewissen. Im Bewusstsein unserer Verantwortung, im Vertrauen auf seine Führung und im Gehorsam gegenüber seinem Willen streben wir nach einem Leben, das von seinem Geist regiert wird.