Ein Gedicht, das Joseph Weißenberg oft gesprochen hat

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Was ist die Welt? – Was ist der Mensch?
Was ist in dem Menschen verborgen?

Was ist die Welt? Ein Jammertal
voll Schmerz, voll Leid, voll Müh und Qual.
Es führt der Mensch an jedem Ort
den Kampf ums Dasein fort und fort.

Was ist der Mensch auf dieser Erde?
Ein armer Pilger ist er nur,
der wieder muss zu Staube werden;
das ist der Kreislauf der Natur.

Doch leider glauben gar so viele,
dass mit dem Tode alles aus;
jedoch der Mensch hat eine Seele,
die mit dem Tode tritt hinaus.

Kein Weltgelehrter wird sie finden,
kein Fleischesauge wird sie schaun;
doch dem wird aller Zweifel schwinden,
der Gott liebt und hat Vertraun.

Ein jeder wird sich selbst betrügen,
der alles nur für Unsinn hält.
Hat denn der Herr bloß zum Vergnügen
sich einst erschaffen diese Welt?

Es wird die Seele fortbestehen,
wenn sie vom Erdenstaub befreit;
sie wird alsdann hinübergehen
in jenes Reich der Ewigkeit.

Wie sich der Mensch auf Erden übt,
so lebt die Seel im Jenseits fort.
Wer seinen Nächsten hier nicht liebt,
wird wenig Liebe finden dort.

Denn in der Seele liegt verborgen
ein Funken reinster Gottesgeist.
Wenn der erweckt, ist erst geworden,
was Gottes Ebenbild wohl heißt.

Wer dieses Ziel sich will erringen,
muss sich der reinsten Liebe weihn,
muss jede Leidenschaft bezwingen,
dann wird er ewig glücklich sein.

Sucht dieses Ziel trotz Kampf und Müh;
denn Erd und Himmel werden schwinden,
doch Gottes Liebe ewig nie!

Warum lässt Gott die Menschen leiden
auf dieser Erde oft so viel?
Sie suchten sonst nur Erdenfreuden
und selten wohl ein höhres Ziel.

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