Langersehnte Rückgabe am 3. Februar 1994

Vor 25 Jahren erhielt die Johannische Kirche die Friedensstadt zurück

Zu einem Tag der Freude und des Dankes wurde vor 25 Jahren der 3. Februar 1994. An diesem Tag, an dem 48 Jahre zuvor der erste Gottesdienst nach Aufhebung des Kirchenverbotes abgehalten werden konnte, übergab die Leiterin des Amtes zur Regelung offener Vermögensfragen, Uta Herzog, der Johannischen Kirche im Waldfrieden den Bescheid über die Rückgabe der Siedlungsflächen. Damit wurde das Ende eines fast 60-jährigen militärischen Missbrauchs der Friedensstadt besiegelt.

Bei den zurückgegebenen Flächen, sie wurden damals noch durch russische Truppen besetzt, handelte es sich um 106,3 Hektar des inneren Bereiches der Friedensstadt mit den einst unter Joseph Weißenberg errichteten Gebäuden und den später hinzugekommenen Neubauten. Monate zuvor erhielt die Johannische Kirche bereits den Lindenhof, den Friedhof und diverse Waldflächen zurück. Damit kamen bis zum 3. Februar 1994 gut 193 Hektar des früheren Siedlungsgebietes wieder in das Eigentum der Johannischen Kirche.

Die Übergabe des Bescheids erfolgte während eines Arbeitsgesprächs von Vertretern der Johannischen Kirche, des Bundesvermögensamtes (BVA), des brandenburgischen Konversionsbeauftragten sowie der Orte Trebbin, Blankensee, Glau und Schönhagen. Dabei kam man überein, dass ein Leerstand der Friedensstadt nach Abzug des Militärs vermieden werden müsse, da dieser die Gefahr des Vandalismus berge. Das BVA, in dessen treuhänderische Verwaltung erst einmal alle Militärobjekte gingen, befürwortete eine Belebung der Siedlung durch Mitglieder der Johannischen Kirche noch vor dem eigentlichen Abzug der russischen Truppen, da die Eigentumsverhältnisse eindeutig seien. Das Amt rechnete mit einer sofortigen Weitergabe der Militärflächen an die Kirche. Garnisonsgebiete, die früher nicht zur Friedensstadt gehörten, gemeint waren das Blankenseer Dreieck sowie die Technikgelände West und Ost, könnten später ebenfalls in den Besitz der Kirche übergehen. – Die Johannische Kirche hat diese Flächen in den Folgejahren erworben.

Vertreter der Johannischen Kirche versicherten bei dem Arbeitsgespräch die große Bereitschaft der Kirchenmitglieder, mit dem Wiederaufbau der Siedlung sofort zu beginnen. Zu den ersten Aufgaben würden vor allem Bausicherungsmaßnahmen gehören. Dringlichstes Ziel sei es, nach dem Abzug der Truppen sehr schnell Notquartiere herzurichten, um das Entstehen einer "Geisterstadt" zu verhindern. Mit Genehmigung des Standortältesten konnten bereits ein Jahr zuvor erste Großaufmaße vom Glauer Hof, Heilinstitut, Zehn-Familien-Haus, Restaurant "Sonne", Altersheim und weiteren Gebäuden erstellt werden. Darüber hinaus wurden Informationen über das vorhandene Heizsystem, Elektroanlagen sowie das Abwasserleitungssystem vermittelt. An einigen Gebäuden konnten sogar notwendige Dachreparaturen vorgenommen werden.

Diese Zusammenarbeit, die Friedensstadt war ja Garnison und damit militärisches Sperrgebiet, war möglich geworden dank des guten Verhältnisses der Johannischen Kirche zur Garnisonsleitung. Für dieses hatte sich Frieda Müller stets mit ganzer Kraft eingesetzt. Sie erlebte mit der Rückgabe der Friedensstadt die Erfüllung der Worte des Meisters, ihres Vaters Joseph Weißenberg: "Wir bekommen alles wieder." Aber: "Lass dir die Zeit nicht lang werden." (rwz)