Gott als feste Burg empfinden lernen

Reformation und die innere Erneuerung

Reformation ist Erneuerung, Umkehr, aber auch Bewahrung – ein immerwährender Prozess, der Gerechteres auf den Weg bringen will. Was sich nicht erneuert, stirbt ab. Mit Gott konnte Martin Luther als Gerufener und Berufener ein Neues im Glaubensverständnis anschieben. Er selbst stellte sich infrage und war auf der Suche nach einem gnädigen Gott: Hat Gott mich lieb, kann ich seine Gebote erfüllen, warum sind wir auf der Welt, wie finde ich zu Gott? Muss mir alles verordnet und vorgeschrieben werden, was zu meinem Seelenheil führt? Freiheit, Reform und Veränderung sind erst möglich durch eine entsprechende innere Haltung, durch ein Tun und Denken, das eine solche Geistigkeit spiegelt. Es bedarf der Wurzeln, die nicht mit Neuerungen ausgerissen werden dürfen. Darum die Bitte: "Lieber Gott, verleihe uns ein friedliches Herz und guten Mut in Kampf und Unruhe. Hilf, dass wir innerlich und äußerlich gegen Gott und Menschen friedlich bleiben…", so Luther, denn mein innerer Frieden kommt aus der Geborgenheit in Gott. Und allein durch den Glauben wird der Mensch gerecht vor Gott und nicht durch die bloße Erfüllung der Gesetze, gerecht aus Gnaden durch den Glauben. Der Glaube bedarf der Werke. Das Ergebnis: Geborgenheit, Frieden. Worte des Römerbriefes brachten Luther zur Erkenntnis, nur das Verordnete kann nicht mein Glaubensleben ausmachen. Gott liebt mich so, wie ich bin.

Mit seinem Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 leitete er einen Umbruch ein, die Befreiung des Menschen von der Bevormundung und, dass man sein Seelenheil nicht freikaufen kann. Das beschreibt einen Weg in ein freies gottbestimmtes Leben, in eine neue Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. "Der Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan." Frei vor Gott sind wir dennoch auf seine Gnade und Gerechtigkeit angewiesen. Mit meinem Glauben bin ich aber nicht abhängig von Menschen, die mir vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Entscheidend ist meine eigene innere Auseinandersetzung mit dem, was auf meinem Lebensweg ist, und dass dies am Wort Gottes geprüft wird. Im Wort der Bibel finde ich Gott, kann ich mich ihm anvertrauen. Das bringt Schritt für Schritt eine innere Erneuerung, die dann nach außen gelebt werden kann. Im Zusammenhang ist dies zu sehen zu seiner anderen These: "Der Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan." Das ist in der Dienstbarkeit dem anderen gegenüber zu verstehen, der unserer Hilfe bedarf, denn unsere Freiheit darf uns nicht über andere erheben oder blind sein lassen.

Genau zum Reformationsfest hat Joseph Weißenberg die Johannische Kirche gegründet mit dem Ziel: "Die Überbrückung der Konfessionen durch die Liebe." Es sollen Brücken zu Menschen guten Willens gebaut werden, die wissen, Gott, der Liebe ist, hält uns an seiner Hand. In der Freiheit des Geistes dürfen wir zusammenfinden und Hoffnungsträger werden. Es gilt, den Wegen zu vertrauen, die Gott mit uns gehen will, wenn Gott eine feste Burg für uns ist und bleiben soll. Dieses Vertrauen wird uns zudem auch für nötige Veränderungen aufschließen und für seine Kraft, die uns zu verändern vermag. Das erschließt uns dann Gottes Wort mehr und mehr und macht es anderen erfahrbar und erlebbar. Mein und dein Glaubenszeugnis sind gefragt in den vielen kleinen alltäglichen Dingen.

So wollen wir Luthers Worte als aufmunternde Wegbegleitung empfinden lernen, wenn er davon spricht, was ihm Aufgabe und Antrieb war: Dem Volk aufs Maul zu schauen, um Probleme und Ansichten seiner Mitmenschen zu erfahren, sie ernst zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen: Was wollen sie sagen, wie ist damit umzugehen? Auch jener Satz ist immer wieder aufbauend: "Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Gottvertrauen schenkt Hoffnung – eine Triebfeder unseres Seins. Allein durch die Kraft des Glaubens, der uns aus Gnaden geschenkt wird, findet man zur Erneuerung des Seins.

(sm)